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Zoran Music (Gorizia/Görz 1909 - Venedig 2005)

Motivo Dalmata

1952
Öl auf Leinwand
33 x 40,6 cm



Im Gemälde ,Motivo Dalmata‘ ist eine berittene Hirtengruppe in Rückenansicht bildbestimmend, geschützt mit dunklen Sonnenschirmen vor der sengenden Sonne, die den dalmatinischen Landstrich mit ihren gleißenden Strahlen überflutet. Jegliche realistische Plastizität und Räumlichkeit ist zugunsten des Flächenprimats aufgegeben. Music baut das Geviert in einzelnen Zonen und Bahnen auf. Hirte, Pferd, Berg, Erde und Himmel sind in ihrem Wesen ident – reine Malerei. Dennoch bleibt Zoran Music der Wirklichkeit als Bildvorwand verbunden, distanziert sich von den damals aktuellen Avantgarden, die die Abstraktion proklamierten; ob in den USA der Abstrakte Expressionismus, oder in Europa das Informel. Erst Ende der 1950er Jahre schließt sich der Künstler der abstrakten Bewegung für eine kurze Phase an, orientiert am lyrischen Informel der École de Paris. Gemein
sind all jenen Bildern die Ruhe, die Wortlosigkeit, die Introspektion – autobiografisch geprägt: Music wurde 1944 nach Dachau deportiert, wo er den unbeschreibbaren Horror in erschütternden Zeichnung dokumentierte. Erst in den 1970er Jahren lässt der Künstler diese Erinnerungen an das KZ in sein künstlerisches Werk einfließen. Aus knorrigen Zweigen und verkarsteten Hügeln entstehen Menschenberge der getöteten Opfer. In den dalmatinischen Landschaften kehrt Music einstweilen in die konfliktfreie romantisierte Phase seiner Kindheit zurück, das Gefühl an die Heimat lässt ihn seine Traumata ertragen.

Florian Steininger

Literature: Siegbert Metelko, Charlotte Hug: Zoran Music. Monographie. Verlag Artacatos. Vaumarcus / Zürich 2009.