Anfrage zu diesem Werk

Lyonel Feininger (New York 1871 - New York 1956)

Städtchen II

1929
Aquarell und Tusche auf Papier
29,8 x 48,3 cm
The Feininger Project No. 1186-01-17-13

Echtheitsbestätigung von The Lyonel Feininger Project, NY, Zertifikat Nr. 1186-01-17-13, 17.01.2013.

Ein feines Liniengerüst fügt sich im Auge des Betrachters zu einer Stadtsilhouette. Ganz sparsam setzte Feininger türkisfarbene Akzente, um das Moment der Vergeistigung zu verstärken. Für die Komposition existiert keine reale Vorlage, sondern Gestalt wie Gruppierung der Bauten lassen unwillkürlich an seine in Holz geschnitzten Phantasien denken. Das graphisch angelegte Gerüst des Blattes – hier finden wir bereits eine Andeutungen des linearen Spätstiles – verleiht dem Werk eine Strenge, die an moderne Architektur denken lässt.

Mit dem Aquarell Stadt I vom 29. November 1926 setzt eine Reihe verwandter Arbeiten ein, die eine interessante Episode im Schaffen des Künstlers markiert. Die Anregung zu dieser Werkgruppe erfuhr Feininger jedoch nicht durch in Dessau vorhandene Beispiele zeitgenössischen Bauens, sondern durch eigene Fotografien, die Reihen von in Gips abgegossenen Holzhäuschen des Meisters der „Stadt am Ende der Welt“ zeigen. Diese Gipshäuser waren, so vermutete T. Lux Feininger, der jüngste Sohn des Künstlers, in der Werkstatt des Bauhauses abgegossen worden. Noch im Jahr 1952 nutzte Feininger eben diese Aufnahmen erneut als Vorlage für das Gestalten von Aquarellen, die nun einen höheren Grad der Abstraktion aufweisen.

In unserem Beispiel, dies belegen die aufgemalten Fenster, mögen die bemalten Holzhäuschen selbst oder Fotos von ihnen als Ausgangspunkt gedient haben. Es erstaunt immer wieder aufs Neue, wo und wie Lyonel Feininger Inspiration für die eigene künstlerische Arbeit fand. Seine Neugier und sein Mut zum Experiment führten wiederholt zu überraschenden Ergebnisse, die das Spektrum seines Gesamtwerkes maßgeblich erweiterten.

Wolfgang Büche

Literature: Marlborough-Gerson 1969. - Sabarsky 1979.