Anfrage zu diesem Werk

Fernand Léger (Argentan/Normandie 1881 - Gif-sur-Yvette bei Paris 1955)

Composition à la feuille jaune

um 1938
Deckfarben und Aquarell auf grauem Papier
29,5 x 24,3 cm

Echtheitsbestätigung von Irus Hansma, Paris, 10. Dezember 2011

Beim Realisieren der Kompositionen seiner Gemälde und Arbeiten auf Papier liebte es Fernand Léger, wie ein Bildhauer der Fläche vorzugehen. So als wären die gemalten Elemente räumlich wirklich vorhanden, fügte er eines vor das andere und verzahnte seine Komposition so zu einem dichten Gefüge. Das vorliegende Blatt vereinigt dabei ganz verschiedenartige Motive: Zum titelgebenden gelben Blatt gesellt der Künstler möbelartige Strukturen und Elemente. Dadurch wird der Gegensatz zwischen Natur und Kultur hier mit thematisiert. Das Resultat erinnert zugleich an Gegenstände auf einem Flohmarkt oder Dachboden – doch ist hier alles mit leichter, aber inspirierter Hand zu einem heiteren Ganzen verbunden. Spannend dabei, dass Léger auch abstrakte Farbformen und Strukturen mit einbezieht. Er fügt so die Mittel des Künstlers in seine gegenständliche Komposition mit ein. Nur wenige Große der Moderne haben auf diese Weise Gegenständliches und Abstraktes zueinander in Beziehung zu setzen gewusst wie Léger.
Die dichte Komposition entstand um 1938, einem für Léger besonders spannenden Jahr. Der Künstler verbrachte es zunächst in Frankreich, reiste im Herbst dann aber in die USA. Dort besuchte er seinen Freund Alexander Calder, arbeitete an Wanddekorationen für Nelson Rockefellers New Yorker Wohnung und hielt Vorträge zum Thema der Farbe in der Architektur. Im Jahr 1939 reiste er zurück nach Frankreich, kehrte aber bereits 1940 in die USA zurück, um bis zum Ende des Krieges dort zu bleiben. Der amerikanische Optimismus und Fortschrittsglaube lag Léger nahe, der mit seinen farbenfrohen Kompositionen zugleich etwas von Europas eigenem „Esprit moderne“ in die neue Welt zu tragen wusste.

Philippe Büttner

Literature: Agnes Husslein Arco, Caroline Messensee (Hrsg.): Fernand Léger. L´Esprit Moderne. Ausst. kat. Rupertinum, Museum Moderner Kunst Salzburg. Salzburger Druckerei 2002, vgl. Tafel XVIII, S. 199.