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Lyonel Feininger (New York 1871 - New York 1956)

Fabrik bei Nacht

1952
Öl auf Leinwand
45,7 x 55,9 cm
Moeller, cat. rais. no. 531



Die Erinnerung an das großzügige Studio in seinem Meisterhaus am Bauhaus in Dessau muss für Feininger immer noch präsent gewesen sein, als er im Januar 1938 in ein Apartment an der 235 East 22nd Street in New York zog. In den wenigen Zimmern im 11ten Stock des „Gramercy House“ blieb ihm nur ein kleiner Raum als Studio. Noch im Entstehungsjahr des Gemäldes ,Fabrik bei Nacht’ beklagte er sich in einem Brief an seinen Freund Mark Tobey (1890-1976) über den Platzmangel: „I’ve only got the one easel ..., and seems to be in the way of my feet all the time and waiting around for another chance to upset me. So, instead of a frieze of six easels I stack my ‘croûtes’ against the wall and they have to take turns on the ‘chevalet’ ….”1 Trotz dieser Restriktionen schuf Feininger in der kleinen Wohnung nicht nur herausragende Kunstwerke, sondern entdeckte auch durch die Fenster neue Motive. Hierzu zählt auch das auf der anderen Straßenseite gelegene Gebäude mit seinen markanten Sprossenfenstern, auf dessen Dach zwei der für New York typischen Wassertürmen thronen. In den 1950er Jahren hat er diese „Fabrik“ häufig gezeichnet und fotografiert, und nach diesem Motiv entstand auch das Gemälde ,The Factory‘ (,Speicher‘, 1950; Hess 498).
In ,Fabrik bei Nacht‘ zeigt sich die Magie von Feiningers Spätwerk in der Dematerialisierung des Motivs in transluzente Schichten – nach und nach löst sich das Gebäude im kobaltblauen Nachthimmel auf, wodurch das Gemälde eine spirituelle Qualität jenseits des eigentlichen Bildmotivs erreicht. Mark Tobey schrieb über dieses Gemälde: „... the buildings of Manhattan rise resplendent carrying within their magic structures the calligraphic black lines of window ledge and pane. Man’s world
of the city built of stone, glass and steel – yet to Feininger a letter wherein he reads a message not only from architect and builder but from Nature herself as she surrounds and penetrates these forms now immanent, now remote.”2

Text verfasst vom Lyonel Feininger Project LLC c/o Achim Moeller, New York – Berlin

1 Lyonel Feininger an Mark Tobey, New York, 2. Dezember 1952 in: Years of Friendship. hrsg. von Achim Moeller, Ostfildern-Ruit, 2006. S. 141., zit: ”Ich habe nur diese eine Staffelei… , und sie scheint mir ständig im Weg zu sein und darauf zu warten mir auf die Nerven zu gehen. Also lehne ich meine “Schinken” an die Wand, statt sie nebeneinander auf sechs Staffeleien aufzureihen und sie müssen sich auf der “Einen” abwechseln…” (Übersetzung Dr. Antonia Boswell-Ellbogen).
2 Mark Tobey in Lyonel Feininger. Ausst. kat. Curt Valentin Gallery. New York 1954, zit: „…strahlend erheben sich die Gebäude von Manhattan überzogen mit einem magischen Muster, gebildet aus den kalligrafisch wirkenden (schwarzen) Linien der Fensterbänke und Scheiben. Eine Welt, eine Stadt, errichtet aus Stein, Glas und Stahl – aber Feininger sieht darin einen Brief, der eine Nachricht des Architekten und Erbauers, aber im Besondern von der Natur selbst beinhält, die diese Formen umgibt und durchdringt, einmal allem innewohnend einmal einsam.“ (Übersetzung Dr. Antonia Boswell-Ellbogen).


Provenienz: Familie des Künstlers. – Moeller Fine Art, New York - Berlin. - Privatsammlung.

Literature: Hermann Hess: Lyonel Feininger. New York. 1961, S. 299, Nr. 519.
Manuel Fontäne del Junco y Aida Capa, "Lyonel Feininger (1871-1956). Este catálog se publica con motivo de la exposición", Fundación Juan March, Madrid 17. 03. -28. 05. 2017, S.312/313. Cat. 376.

Lyonel Feininger: Marlborough-Gerson Gallery. New York 1969, Abb. Nr. 79. - Lyonel Feininger: Architecture Paris - New York. Willard Gallery. New York 1961. - Lyonel Feininger: Oils and Watercolors 1940 to 1955. Willard Gallery. New York 1956, Abb. Nr. 13.