Als Sohn eines deutschen Musikerehepaars wird Lyonel Feininger am 17. Juli 1871 in New York geboren. Mit 16 Jahren übersiedelt er nach Deutschland, wo er ein Jahr später in die Königliche Akademie in Berlin eintritt, sein Studium aber mit Aufenthalten in Paris und am Collège St Servais in Lüttich unterbricht. Ab 1892 hält er sich regelmäßig an der Ostseeküste auf, die neben alten Stadtarchitekturen eine der wesentlichsten Inspirationsquellen seiner Kunst wird. Während seines Studiums arbeitet er erfolgreich als Karikaturist für diverse Zeitschriften, erst 1907 beginnt er zu malen. 1909 wird Feininger Mitglied der Berliner Secession und stellt im Pariser Salon des Artistes Indépendants aus. Feininger hält Kontakt mit den Künstlern des Blauen Reiters, befreundet sich mit Alfred Kubin und erhält 1917 seine erste Einzelausstellung in der Galerie von Herwarth Walden „Der Sturm“ in Berlin. 1919 folgt er der Berufung als „Meister der Formlehre“ an das Bauhaus in Weimar. Mit Kandinsky, Klee und Jawlensky gründet er 1924die Ausstellungsgemeinschaft „Die blaue Vier“. Nach der Übersiedlung des Bauhauses nach Dessau, lässt sich Feiniger seiner Lehrtätigkeit entbinden und vollendet 1929 elf seiner berühmtesten Stadtansichten von Halle. 1937 übersiedelt er mit seiner Familie nach New York, seine Bilder werden von den Nationalsozialisten kurz darauf als entartet eingezogen. In New York ist er am Anfang noch den Motiven seiner Heimat verbunden, zeigt sich aber zusehends fasziniert von den Wolkenkratzern von Manhattan. Am 15. Janner 1956 stirbt Lyonel Feininger in New York.
Feininger kommt erst mit 36 Jahren zur Malerei, entwickelt aber aus seiner Tätigkeit als Karikaturist früh einen spezifischen Stil, den er nach seiner Begegnung mit Robert Delaunay als Prisma-ismus erklärt. Seiner feinen aber präzis eingesetzten Strichführung entspricht seine bevorzugte Motivwahl von Ortsbildern Thüringens und der Architektur alter europäischer Städte. Die geometrische Konstruktion der Bauten lassen sich besonders in eine kristallinene Struktur umwandeln, die den Motiven von heller Lichtführung durchflutet Transparenz und Zerbrechlichkeit verleiht. Sein Spätwerk ist mehr von Erinnerung geprägt, wo die graphisch klare Linie immer mehr einer malerischen Vision weicht.