Alfred Kubin (Leitmeritz/Böhmen 1877 - Zwickledt bei Wernstein am Inn 1959)
Buddhist im Walde
um 1907
Gouache auf Velin
39,5 x 37,5 cm
Dr. Annegret Hoberg, Kubin-Archiv, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, hat die Echtheit der Arbeit per E-Mail bestätigt.
Eine deutlich von den Bildkompositionen von Paul Gauguin inspirierte Naturwelt ist häufigstes Bildthema der malerischen Werkphase Alfred Kubins in den Jahren 1904 bis 1907/08. Das auf der Rückseite mit dem Titel ,Buddhist im Walde‘ bezeichnete Blatt verweist einmal mehr auf die intensive Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Buddhismus, die im Jahr 1916 sogar zur sogenannten „buddhistischen Krise“ führt, den Künstler jedoch immer wieder mit der Frage der Ausbalancierung der Gegensätze konfrontiert. Die im vorliegenden Blatt dargestellte Menschengestalt scheint in ihrer formalen wie auch farbigen Gestaltung mit dem Umgebungsraum zu verschmelzen. Die friedliche Annäherung der kleinen Tiere im Vordergrund verweist besonders markant auf die Kraft der einfühlenden Symbiose von Mensch und Natur. Die grundsätzlich konflikthafte Fremdheit der Konfrontation von Mensch und biologischer Umwelt ist zurückgenommen – dennoch lassen die nach innen gerichteten Augen des dargestellten Mannes auf eine andere Wirklichkeit jenseits des im Naturraum sinnlich Erfahrbaren schließen. Wie die berühmten „Blauäugigen“
in Kubins Roman ,Die andere Seite‘ signalisiert der Künstler sehr deutlich die Existenz von Erfahrungs- und Gestaltungsebenen jenseits des primären Natur(er)lebens, denen sich der
Betrachter wie auch die possierlichen Tiere im Vordergrund nur wundernd nähern können.
Peter Assmann
Provenienz:
Privatbesitz, Deutschland
Literature:
Peter Assmann (Hg.): Alfred Kubin (1877 – 1959). Mit einem Werkverzeichnis des Bestandes im Oberösterreichischen Landesmuseum. Oö. Landesgalerie. Residenz Verlag. St. Pölten 1995, vgl. Abb. S. 180, Ha II 3242. - Alfred Kubin, Ausst.Kat. Shepherd W&K Galleries New York, W&K Edition 2014, S. 53.